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15.11.2017

Anbinden und verlängern

Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) fordert von der neuen Bundesregierung ein Sonderprogramm für den Ausbau und für die Modernisierung des kommunalen Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) in Deutschland. Vorstände und Geschäftsführer der großen Nahverkehrsunternehmen aus Köln, Hamburg, Berlin, München und Dortmund haben dazu am 14. November in Hamburg gemeinsam Stellung bezogen. „Deutschland droht seine Klimaschutzziele deutlich zu verfehlen. Im Verkehrssektor steigen die Schadstoffemissionen seit Jahren immer weiter statt zu sinken. Ein moderner, leistungsstarker und ökologischer ÖPNV kann gerade in den Großstädten und Ballungsräumen wesentlich dazu beitragen, die Probleme bei Luftreinhaltung und Schadstoffbelastung nachhaltig zu lösen. Doch dafür muss mehr in den ÖPNV investiert werden“, so Jürgen Fenske, VDV-Präsident und Vorstandsvorsitzender der Kölner Verkehrs-Betriebe (KVB).
Damit der ÖPNV die künftigen Herausforderungen bewältigen kann, sind zusätzliche Investitionen nötig: Laut einer aktuellen Umfrage des VDV unter seinen Mitgliedern benötigt die Branche in den kommenden zehn Jahren 15 Milliarden Euro, um den Nahverkehr flächendeckend so zu modernisieren und auszubauen, dass Busse und Bahnen zum zentralen Baustein für die nötige Verkehrswende werden. Hinzu kommen fünf Milliarden Euro, um den bereits seit Jahren wachsenden Sanierungsstau im kommunalen ÖPNV abzubauen. „Wir fordern die Bundesregierung auf, ein Sonderprogramm in Höhe von 15 Milliarden Euro über zehn Jahre aufzulegen, um die dringend notwendigen Investitionen in den kommunalen Nahverkehr zu ermöglichen und damit die Verkehrswende in Deutschland entscheidend voranzubringen. Die Länder sollten dieses Programm mit fünf Milliarden Euro über die Laufzeit mitfinanzieren“, so Fenske.
Die in Hamburg vorgestellten Projekte aus den fünf großen Städten, zeigen exemplarisch, dass es in unterschiedlichsten Bereichen im ÖPNV Investitionsbedarf mit erheblichem Mittelbedarf gibt: Es geht um Streckenerweiterungen, „Lückenschlüsse“ und Neubauprojekte im Stadtbahnbereich, um Maßnahmen zur Herstellung der Barrierefreiheit sowie um die Anschaffung neuer Fahrzeuge (E-Busse). Zudem fallen im bestehenden Netz bei allen Unternehmen erhebliche Sanierungs- und Erneuerungskosten nur für die Infrastruktur an.

Beispiel Dortmund – Verlängerung U44 und H-Bahn

Dortmund hatte im Jahr 2008 den Ausbau des Stadtbahnnetzes mit der Eröffnung der dritten Tunnelstrecke abgeschlossen. In den letzten Jahren wuchs jedoch die Zahl der Einwohner, die jetzt über 600.000 liegt, und die Zahl der Arbeitsplätze stetig an. Neue Wohn- und Gewerbeflächen wurden erschlossen, z.B. an der Westfalenhütte, wo bis zu 6.000 Arbeitsplätze im Logistiksektor entstehen. Diese Gebiete sollen an das Schienennetz angebunden werden, u.a. durch die Streckenverlängerung der Stadtbahnlinie U44 über die Haltestelle „Westfalenhütte“ bis zum Halt Rüschebrinkstraße (Länge 1.650 m, Investitionsvolumen für die ÖPNV-Trasse ohne Straßenbau ca. 38, 4 Mio. €) sowie durch die Verlängerung der H-Bahn von der Haltestelle „Technologiezentrum“ in das Erweiterungsgebiet „Weißes Feld“ des Technologieparks (Streckenlänge 1,2 km, Kosten Infrastruktur: 20 Mio. €, Fahrzeug ca. 1,6 Mio. €). Hubert Jung, VDV-Vizepräsident und Verkehrsvorstand von DSW21 dazu: „Die dynamische Entwicklung Dortmunds bei den Einwohnerzahlen und bei den Arbeitsplätzen erfordert jetzt zusätzliche Investitionen in den ÖPNV, mit denen wir hier vor zehn Jahren noch nicht rechnen konnten. In ähnlicher Situation befinden sich bundesweit mittlerweile viele Städte, in denen Bevölkerungswachstum neue Infrastruktur für Straßen- und Stadtbahnen erforderlich macht.“

Im Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) sind rund 600 Unternehmen des Öffentlichen Personenverkehrs und des Schienengüterverkehrs organisiert. Täglich ersetzen Busse und Bahnen rund 20 Millionen Autofahrten und 77.000 voll beladene Lkw. So sorgen der VDV und seine Mitgliedsunternehmen dafür, dass Deutschland nachhaltig mobil bleibt!